Raus aus dem Homeoffice – rein in den öffentlichen Raum! Für eine Woche wird die Stadt Münster zum begehbaren Zettelkasten. Die Menschen sehnen sich nach Orientierung, Führung und klaren Vorgaben. Können sie haben: müller leert seine Zettelkästen und verzettelt die Stadt mit hunderten Imperativen.

Als Leiter des völlig neu geschaffenen Amtes für Zettelwirtschaftsförderung wird müller eine Woche lang die Stadt Münster mit amtlichen Aufforderungen versehen. Damit möchte er Einwohnern wie Gästen Orientierung in schwierigen Zeiten geben und natürlich viele kleine Freuden machen.

Seit der Aufklärung ist klar, dass in der modernen Welt zehn Gebote bei weitem nicht ausreichen. Es scheint außerdem so, dass man den meisten Menschen nicht mit dem Kategorischen Imperativ zu kommen braucht.

Um die Menschen abzuholen und mitzunehmen braucht es viele hochdifferenzierte und eingängige Anweisungen. Schließlich erfreuen sich amtliche Aufforderungen und Anweisungen in den letzten Jahren einer steigenden Beliebtheit. Die Menschen scheinen gar nicht genug davon zu kriegen – bisher.

Anstelle einer internationalen Expertenkommission hat müller tausende Imperative gesammelt, erlauscht, extrahiert und destilliert. Sie kommen aus Werbung, Kultur, Politik, Verwaltung, aus Traditionen und Gewohnheiten oder von Müttern und Vätern, sind groß plakatiert, jagen in Wellen durch Kabel und Gehirnwindungen, tummeln sich im Unbewussten, oft auch zwischen den Zeilen oder in den Ritzen des öffentlichen Diskurses. Die meisten wurden von müller allerdings exklusiv erfunden und allesamt handschriftlich notiert.

Der Notizzettel ist seit Jahrhunderten eine bevorzugte Technik geistiger Arbeit und ein Medium des Erinnerns, Vergessens, Motivierens, Mit- und Weiterdenkens, oder auch eins der kleinen Bevormundungen zwischendurch.

Durch einen Technologietransfer vom privaten, geschäftlichen oder behördlichen Innenraum in den öffentlichen Außenraum, in den begehbaren Zettelkasten, möchte müller nebenbei der allgegenwärtigen Digitalisierung einen empfindlichen Schlag versetzen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualitäten im urbanen Raum steigern.

müller: Nur wer nicht weiß, dass er sich verlaufen hat, ist wahrhaft orientierungslos. An diese Menschen richtet sich müllers Aktion. Aber auch an alle anderen.

Den genauen Termin entnehmen Sie bitte der Tagespresse oder gucken hier auf meetingmueller.de.

Vom ersten Tag an werden an dieser Stelle Fotos der im Stadtbild platzierten Imperative zur gefälligen Kenntnisnahme erscheinen.

Die Aktion wird im Rahmen des Stipendienprogramms 2021 für freie Kulturschaffende in Münster gefördert.